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Ein Insiderblick auf die Finanzkrise 2007
29.11.2017

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ABSOLVENTUM-Mitglied Dr. Norbert Bräuer gewährte am 16. November einen spannenden Einblick in Entstehung, Wirkung und Wertung der Finanzkrise 2007 aus seiner Sicht als damaliger ‚Trader‘ der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Dr. Bräuer hat 1973 sein Diplom in Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim erworben und 1978 auch seine Promotion hier abgeschlossen. Danach ist er über 30 Jahre im Bankensektor tätig gewesen, u.a. als Generalbevollmächtigter der DG Bank und bis Juni 2007 Vorstandsmitglied der Helaba in Frankfurt am Main, verantwortlich für Kapitalmarktgeschäft, Kreditgeschäft Banken und Ausländische Gebietskörperschaften.

Die Finanzkrise hat er als Verantwortlicher für die Tradingbereiche damals hautnah miterlebt und spricht heute davon, dass er immer noch nicht fassen kann, wie es soweit kommen konnte: „Als ‚Droge des kollektiven Wohlgefühls‘ bezeichne ich das Phänomen, das bei den Prozess-Beteiligten ca. 365 Tage am Stück wirkte. Alle haben sich berauscht, es war nicht einfach dem zu widerstehen,“ so Bräuer in seinem Vortrag. „Die eigentliche Sensation für mich als Trader war, dass plötzlich auch Kreditrisiken handelbar wurden. Das war Jahrzehnte lang undenkbar gewesen.“ Ausführlich und verständlich erklärte er den Zuhörern welche Mechanismen zur Krise führten. Viele Investmentbanken von damals gibt es heute nicht mehr und die, die es noch gibt, hatten Glück der „Droge“ widerstehen zu können, erklärt Bräuer.

Auf die Frage, was man aus der Krise gelernt hat und ob sie hätte verhindert werden können antwortet er: „Trotz vieler Jahre wissenschaftlicher Forschung der VWL, mit dem Ziel Vorhersage- und Wirkungsmechanismen quasi naturwissenschaftlich darzustellen und zu etablieren, konnte die Krise nicht verhindert werden. Wenn man auf seinen gesunden Menschenverstand gehört hätte, wäre es nicht so weit gekommen. In China gibt es im Moment ähnliche Anzeichen zu beobachten wie damals.“

In der anschließenden Fragerunde beteiligte sich das Auditorium rege, auch wenn aus zeitlichen Gründen leider nicht alle Fragen beantwortet werden konnten. Beim anschließenden Get-together bot sich jedoch noch die Gelegenheit, mit Dr. Bräuer und den anderen ZuhörerInnen bei kühlen Getränken weiter zu diskutieren.

Eine Fortsetzung ist im nächsten Jahr angedacht.

Juliane Koch


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