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Startup-Vorstellung: „Tekudo“ – für mehr Nachhaltigkeit im Venture Capital Bereich
18.11.2021

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Unser Mitglied Pascal Franke ist ein Gründer „durch und durch“ und kann bereits auf jahrelange Erfahrung im Banken-, Innovations- und Venturebereich zurückblicken. Nach seinem Abschluss an der Universität Mannheim und der Copenhagen Business School hat er zunächst fünf Jahre für die Danske Bank in Copenhagen gearbeitet und dort die Startup Abteilung „Danske Bank Growth“ gegründet und geleitet.
Nach seinen Startups AccessVisa und ATLANT 3D Nanosystems, gründete er mit „Tekudo“ bereits sein 3. Startup und verfolgt gemeinsam mit seinem Co-Founder Vasile Popescu das Ziel, mit dieser Software mehr Nachhaltigkeit in den Venture Capital Markt zu bringen.

Wie ist die Idee zu eurem Startup „Tekudo" entstanden?
Die Idee entwickelte sich aus verschiedenen Faktoren. Zunächst arbeitete ich an einem Startup im Bereich Revenue-based Finance, d. h. der umsatz-basierten Finanzierung. In diesem Bereich habe ich jahrelang gearbeitet und kenne mich sehr gut aus. Dabei geht es um eine gründerfreundliche Finanzierung des Wachstums von Ventureunternehmen, wobei der Fokus auf Unternehmen aus dem E-Commerce Bereich und Unternehmen mit einem Recurrent Revenue Based Business Modell (z. B. Software as a Service, kurz SaaS) liegt.
Das Thema Nachhaltigkeit hat neuerdings auch in diesem Bereich immer mehr an Bedeutung gewonnen. Vor allem in der Corona-Zeit haben wir wahrgenommen, dass es im e-Commerce-Bereich oft vorkam, dass die bestellte Ware in riesigen Verpackungen ankam, die zumeist viel zu groß für den Inhalt waren. So kam uns vermehrt der Gedanke, dass wir grundsätzlich nur Unternehmen, die nachhaltig agieren, finanzieren möchten - ein bereits rasant wachsender Trend in der Finanzbranche von börsennotierten Unternehmen (Public Markets). Dazu muss es zunächst möglich sein, von den in der Regel nicht börsennotierten Unternehmen (Private Markets) - in zumindest semi-automatisierter Weise - Nachhaltigkeitsdaten abzurufen. Dies war bisher jedoch nicht einfach möglich und genau dafür wollten wir eine Lösung auf den Markt bringen.

Was war in euren Augen das Besondere an der Idee, sodass daraus eine Unternehmensgründung wurde?
Da wir mit nicht börsennotierten Wachstumsunternehmen zusammenarbeiten, sogenannten mit klassischem Risikokapital (Venture Capital) finanzierten Startups - bei denen der Trend von der Erhebung und Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsdaten noch nicht angekommen war - kam uns die Geschäftsidee, eine einfache Lösung zum Sammeln und Managen von solchen Daten auf den Markt zu bringen. Die Praxis der sogenannten ESG (Environmental, Social Governance) ist bei börsennotierten Unternehmen bereits die Norm. Denn wenn wir nur mit Unternehmen zusammenarbeiten möchten, die nachhaltig arbeiten, brauchen wir auch eine möglichst automatisierte Lösung, die uns herausfinden lässt, ob dieser Kunde nachhaltig ist oder nicht.
Dabei haben wir festgestellt, dass es eine derartige Lösung noch nicht gibt. Das war für uns ausschlaggebend für die Gründung von „Tekudo“, da wir mit der Entwicklung einer solchen Lösung einen viel größeren Impact erreichen. Unser Ziel ist es, eine Infrastruktur zu schaffen, woraufhin Unternehmen oder InvestorInnen ein Geschäftsmodell- und praktiken entwickeln können, mit dem sie tatsächlich den Unterschied machen können – nachhaltig oder nicht nachhaltig.

Kurz und knapp – worum geht es bei „Tekudo" genau?
Unsere Mission ist es, mit „Tekudo" den Venture Capital Bereich nachhaltiger zu gestalten und die Praxis der Erhebung von Nachhaltigkeitsdaten (ESG Daten) aus dem Public Market Bereich auch in den Private Market Bereich zu bringen. Genau das wollen wir damit erreichen: Wir möchten Transparenz in den Markt bringen und zwar in Bezug auf Nachhaltigkeitsdaten. Dafür soll „Tekudo" eine Lösung bieten, die es für die InvestorInnen, aber auch für die Wachstumsunternehmen einfacher macht, die relevanten Daten zu sammeln, zu managen und an relevante Stakeholder zu reporten. Im nächsten Schritt ergeben sich mit der Verfügbarkeit derartiger Daten noch viele weitere interessante Möglichkeiten, denn Nachhaltigkeitsdaten werden immer wertvoller.

An welche Zielgruppe richtet sich euer Angebot?
Grundsätzlich wollten wir uns mit einer einfachen Nachhaltigkeitslösung an Startups richten, haben aber zunächst festgestellt, dass es relativ schwer ist, das Produkt direkt an die Zielgruppe zu bringen und daher eine Markteinführung ziemlich teuer schien.
Dann ergab sich die Situation, dass uns plötzlich viele Venture Capital InvestorInnen aus allen Teilen der Welt kontaktiert und sich für unsere Software interessiert haben, da sie auf der Suche nach einer Möglichkeit waren, die Nachhaltigkeit ihres Portfolios - d. h. in den Unternehmen, in die sie investieren - zu messen. So kam es, dass wir den Fokus auf die InvestorInnen gelegt haben, denn uns ist klar geworden, dass der Druck, Nachhaltigkeitsdaten zu sammeln, der auf diesem Bereich liegt, immer größer wird. Die Regulatoren, wie zum Beispiel die Europäische Kommission, treiben das Thema stark voran.
Im ersten Schritt haben wir also die Software, zugeschnitten auf die InvestorInnen, entwickelt, damit diese die Nachhaltigkeit in ihrem Portfolio managen können. Das heißt die Unternehmen sammeln Nachhaltigkeitsdaten und berichten diese an die InvestorInnen. Somit ist unser Tool „Tekudo“ im ersten Schritt eine Schnittstelle zwischen InvestorIn und den Unternehmen, um dieses Nachhaltigkeits-Reporting zu vereinfachen.
Im zweiten Schritt fokussieren wir uns dann auf die Unternehmen, um ihnen ein Tool an die Hand zu geben, mit dem es einfacher und so automatisiert wie möglich ist, mit Nachhaltigkeitsdaten zu arbeiten, d. h. die Daten zu sammeln und validieren. Denn der Status Quo ist, dass Nachhaltigkeitsdaten zwar durchaus berichtet werden, diese aber nicht validiert sind.

Wie schätzt du die zukünftige Entwicklung und den Erfolg von Tekudo ein?
Wir sind sehr optimistisch und haben einen riesigen Bedarf für unser Produkt festgestellt - vor allem eben auf der InvestorInnen-Ebene im Venture Capital Bereich. Das ist für uns ein interessanter Weg, über die Investoren Zugang zu deren Portfolio-Unternehmen zu bekommen: Das können ein paar wenige sein, mal 30 oder auch, wie im Falle eines Investors aus Mexico, 600. Das bedeutet, dass wir darüber schnell an die KundInnen herankommen und dadurch auch das Produkt für die Unternehmensseite optimieren können. Gleichzeitig verstehen wir aber auch, was wichtig für die InvestorInnenseite ist - ein Fakt, der wiederum die Startups stark interessiert.

Welchen Vorteil hat Tekudo für Startups?
Für die Startups ist es wichtig, von Anfang an für das Thema sensibilisiert zu sein und nachhaltige Entscheidungen zu treffen, sowie einen Fokus auf Nachhaltigkeitsdaten zu haben und solche Prozesse in dem Unternehmen zu etablieren. Das geschieht nicht über Nacht und ist ein komplexes Thema. Es hilft ihnen nicht nur attraktiver für Investoren zu sein, die verstärkt solche Daten von ihren Portfoliounternehmen in regelmäßigen Abständen anfordern, sondern hilft ihnen auch dabei, wichtige Themen im Fokus zu behalten und potentielle Risiken zu minimieren. Der Trend in der Finanzwelt geht immer mehr in die Richtung, dass InvestorInnen ihr Geld nur noch in nachhaltig agierende Unternehmen anlegen wollen. Was wir zukünftig sehen, ist, dass es für kein Unternehmen möglich sein wird, an Kapital heranzukommen, ohne diese Nachhaltigkeitsdaten zu liefern.
Ein weiteres Beispiel für die Relevanz ist der Exit. Dabei muss man bedenken, worum es Startups in erster Linie geht. Die meisten Unternehmen erhoffen sich ein exponentielles Wachstum und arbeiten auf einen Exit hin, d. h. das Unternehmen zu verkaufen. Dabei ist das häufigste Wunschszenario ein „IPO – Initial Public Offering“, d. h. das Unternehmen wird an die Börse gebracht. Wenn dies geschieht, man diese Nachhaltigkeitsdaten jedoch nicht vorweisen kann, wird man mit Sicherheit eine große Zahl von InvestorInnen nicht bedienen können, was zur Folge hat, dass man eine kleinere Nachfrage bedient und somit der Aktienpreis nicht so hoch ausfällt, wie er sein könnte. Das bedeutet dann einen riesigen Nachteil für die Unternehmen und InvestorInnen.
Somit ist es für Startups von großer Wichtigkeit, ihre Nachhaltigkeitsdaten von Beginn an zu erfassen und darlegen zu können - denn genauso wie ein skalierbares Geschäftsmodell oder eine Techplattform muss auch eine skalierbare Nachhaltigkeitsbasis geschaffen werden.

Hast du als erfahrener Gründer Tipps für Studierende?
Ich rate Studierenden vor allem dazu das Studium auf der einen Seite zu genießen, das soziale Leben mitzunehmen, sich ein Netzwerk aufzubauen. Auf der anderen Seite sollten sie diese Zeit bereits so gut wie möglich für die Vorbereitung für ihre professionelle Karriere nutzen: Während des Studiums herauszufinden, was ihre Passion ist und was ihnen Spaß macht, vieles auszuprobieren, vielleicht auch schon über eine Unternehmensgründung nachzudenken oder direkt neben dem Studium auszuprobieren.
Für eine Unternehmensgründung sind meine wichtigsten Tipps: Von Anfang an auf ein starkes und gut funktionierendes Team achten, keine Scheu haben, Fehler zu machen und nie aufhören zu lernen.

Bist du eigentlich schon Mentor bei ABSOLVENTUM?
Ich habe mich vor kurzem bei euch als Mentor registriert und freue mich, in Zukunft Studierende meiner ehemaligen Universität zu unterstützen, die mir immer noch sehr am Herzen liegt. Schon seit meinem Studium berate ich viele Startups und GründerInnen, bin Angel Investor für Startups und war schon mit vielen Studierenden als Mentor im Austausch. Jetzt stehe ich gerne auch für eure Mentees zur Verfügung und bin gespannt, wie die heutigen Studierenden denken und was ich weitergeben kann.


Foto: Pascal Franke
Text: Simone Fioretto und Pascal Franke

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